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1. Thess. 5, 1-6

Zur Frage nach dem Zeitpunkt und den näheren Umständen dieser Ereignisse braucht man euch nichts zu schreiben, Geschwister. Ihr selbst wisst ganz genau, dass ´jener große Tag`, der Tag des Herrn, so ´unerwartet` kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Wenn die Leute meinen, es herrsche Frieden und Sicherheit, wird plötzlich das Unheil über sie hereinbrechen wie Wehen, die eine schwangere Frau überfallen, und es wird kein Entrinnen geben. Ihr aber, Geschwister, lebt nicht in der Finsternis, und deshalb wird euch jener Tag nicht wie ein Dieb überraschen. Ihr alle seid ja Menschen des Lichts, und euer Leben wird von jenem kommenden Tag bestimmt. Weil wir also nicht zur Nacht gehören und nichts mit der Finsternis zu tun haben, dürfen wir auch nicht schlafen wie die anderen, sondern sollen wach und besonnen sein.



Liebe Gemeinde,
es ist noch gar nicht so lange her – vielleicht 15-18 Monate -, dass er Mitglied der Gemeinde wurde, dass er mit allen Leuten, die ihm bis heute wichtig sind, seine Taufe feierte. Was ist nicht alles passiert in dieser Zeit! So viel Neues, Aufregendes; diese Erfahrung, hin und her gerissen zu sein zwischen sehr, sehr glücklichen Momenten und Augenblicken bitterster Not, Enttäuschung,ja tiefstem Leid.

Da hatte er diese wunderbare Botschaft gehört, dass wir begleitet sind von einem liebenden, erbarmenden Gott, der nicht weit weg im Universum seinen göttlichen Launen nachgeht wie der alte Göttervater Zeus, sondern über den ganz anders geredet wird, der erkennbar, erfahrbar ist in Jesus Christus, diesem Menschen von Weihnachten, Karfreitag und Ostern. Ein ganz persönliches Verhältnis zu ihm hin ist uns möglich. Wir können beten, ihm unser Leben anvertrauen, uns hineinversenken in seine Liebe zu uns. – Das hatte ihn angesprochen. Darauf hat er sich eingelassen.
Die Taufe war so etwas wie das äußere Zeichen, dass dieser neue Glaube für ihn das Leben neu mit Licht und Sinn erfüllt. Es war sein Tag mit Gott, sein „Tag des Herrn“; ein Tag des Friedens und dem Gefühl der Sicherheit. Der Gedanke an Gott hatte nichts Bedrohliches mehr, keine Angst war zu spüren, nur dies: „Ich bin sein Kind und er ist mein Gott. In Jesu Auftrag hat mir das der Apostel gepredigt, und ich habe dem vertraut.“

Nun, auch er machte dann diese Erfahrung: An solchen Tagen des Glücks, der Freude, einer gewissen Hochstimmung ist das Leben leicht. Aber das kann ganz schnell anders werden. Plötzlich erlebt er, dass er ganz allein ist; allein mit den offenen Fragen, mit den Ängsten, allein einer feindlich wirkenden Umwelt: die kritischen Blicke, das Unverständnis der Verwandten und alten Freunde; allein mit dem Gefühl abgelehnt zu werden als Fremder und Störenfried, allein mit der Erfahrung, die Ablehnung, den Hass der anderen in ihren Augen zu sehen. Und er bekommt es real mit, wie Vertreter der Behörden gezielt gegen ihn und die anderen in der kleinen Christengemeinde vorgehen. Die Verhöre, die Schläge, der Hohn, die Verachtung, Androhung von Gefängnis, Verlust des Einkommens. Es sind diese Schreckensbilder, die er mit den vielen in der Geschichte derer teilt, die wegen ihres Glaubens, wegen ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt und gequält werden, deren Frauen geschändet, deren Kinder vor den eigenen Augen getötet, deren Geschäfte und Gotteshäuser verbrannt und zerstört werden.
„Kinder des Lichtes werden Opfer der Kinder der Finsternis.“ – So denkt er. Und ihm fallen die Worte des Apostels aus dessen Brief an seine Gemeinde wieder ein. Er erinnert sich an sie und wie sie in seinen Ohren nachklingen aus der Gemeindeversammlung, in der dieser Brief vorgelesen wurde.

Und auch dieses fällt ihm noch ein: Auch er hatte die Münze in der Hand gehalten. „Frieden und Sicherheit“ – diese Worte waren einge-prägt. Eine Botschaft der Obrigkeit, wie man sie auch sonst ähnlich lautend zu allen Zeiten lesen kann. „Frieden und Sicherheit“ – wie schön und edel klingen solche Parolen einer Staatsideologie! Aber mit welchem Hohn und welchem Verrat werden sie getreten, wo die Menschenwürde um der Durchsetzung dieser Ideologie willen mit Füßen getreten, Licht in Finsternis gewandelt wird.
Nein, so denkt er, Kinder des Lichtes, wir Christen dürfen uns auf solche Ideologien nicht verlassen, auch wenn sie noch so schön und klug und scheinbar christlich klingen. Wir müssen gut aufpassen, dürfen uns nicht blenden lassen, insbesondere dann wenn sie uns locken, wenn sie uns verführen wollen mit ihren Parolen, die so fromm und christlich klingen, wenn von „Sicherheit in gesicherten Grenzen“, von Frieden, den uns die Waffen schaffen, die Rede ist, ein Friede, der mit Gewalt und Menschenopfern erzwungen wird. Die Verführung ist, dass sie mit den Verheißungen Gottes in einen Topf geworfen werden. Der Friede Gottes, sein Shalom kann nicht mit menschlichen Mitteln der Macht und Gewalt erzwungen werden. Die Methoden Gottes sind andere. Diese können wir erahnen, wenn wir Gerechtigkeit, Besonnenheit, Großzügigkeit und Milde im Ringen um menschenwürdige Verhältnisse erfahren.

„Kinder des Lichtes“, so überlegt er weiter, „so nennt der Apostel uns, uns Christen in unserer Gemeinde. Ganz deutlich hat er uns bestätigt, dass er dieses Bild für das Verständnis unseres Christseins, für die Praxis unseres Glaubens gefunden hat. Das ist ermutigend.“
In diesem Zusammenhang denkt er auch noch an eine andere Bemerkung. Vom „Tag des Herrn“ hat der Apostel gesprochen und davon, dass dieser kommt „wie ein Dieb in der Nacht“. Auch das ist Bildersprache. Der Tag des Herrn – eine alte Vorstellung aus dem Alten Testament. Gemeint ist der Tag Gottes, an dem er Gericht hält über sein Volk. Paulus gebraucht dieses Bild auch, um von der nah erwarteten Wiederkunft Jesu zu sprechen, die sich unerwartet, nicht kalkulierbar und überraschend ereignen wird. Daran denkt er auch wohl verbunden mit zwiespältigen Empfindungen, so wie das in Verbindung mit der Vorstellung, vor Gericht zu stehen, immer ist.
Für jeden einzelnen mag das Auswirkungen haben für das eigene christliche Handeln, für ethische Verantwortung und Gewissensbildung. Es geht um die Frage: „Wie sieht Gott mein Leben an? Wie treffe ich meine Entscheidungen, welches sind meine Prioritäten?“ Aber auch um diese Perspektive geht es: „Was ist, wenn Christus gerade jetzt wiederkommt?“ Im Augenblick der Verfolgung, mitten in der Erfahrung bitteren Leides: Das klingt wie Erlösung und Befreiung, aber zugleich auch wie ein Urteil über alle, die Menschenwürde und damit das Gebot Gottes willentlich und bewusst missachten.



Liebe Gemeinde, so oder ähnlich mag sich ein Gemeindeglied, an das dieser Thessalonicherbrief des Apostel Paulus adressiert war, gedacht und empfunden, sich mit ihm auseinandergestzt haben.

Mich spricht dieser vorgelesene Abschnitt an und dabei insbesondere dieses, dass hinter den gebrauchten Bildern eine wichtige Überzeugung des Apostel Paulus erkennbar wird: Christus ist auf dem Weg zu uns. Indem wir das erkennen und unser Leben danach ausrichten, sind wir“Kinder des Lichtes“, werden wir dafür sorgen und Verantwortung mittragen, dass es um uns herum hell wird, warm in atmosphärischer Kälte.

Bei dem Versuch, sich diese Haltung zu vergegenwärtigen und Konsequenzen daraus durchzubuchstabieren, werden wir in die unterschiedlichsten Lebenssituationen geführt:

In Situationen, in denen wir uns entscheiden müssen zwischen Wahrheit und Lüge; da, wo wir uns entscheiden müssen, wie wir mit dem uns zur Verfügung stehenden Gelde umgehen wollen;
da, wo wir gefragt sind als Geschöpfe Gottes verantwortlich mit dem Geschenk unserer Gesundheit umzugehen;
da, wo kritisches Bewusstsein gefragt ist für gesellschaftlich und politische Vorgänge und Entwicklungen, in unserm eigenen Lebensbereich, in der Gesellschaft, in der wir leben.

In den letzten Tagen haben mich Bilder und Berichte vom 9. November 1938 beschäftigt. Heute jährt sich ja zum 70.mal das Erinnern an die sog. „Reichskristallnacht“ oder wie wir sicherlich zutreffender sagen: die „Reichsprogromnacht“. Ich sehe Bilder aus Filmen und aus der Presse vor meinem Auge. Brennende Synagogen und zerdepperte Schaufenster jüdischer Geschäfte, grölende SA-Leute bei ihrem Tun gegenüber den - ihrer Meinung nach - Menschen 2. Klasse.
Zu diesen Bildern kommen aber auch noch andere. Aus verschiedenen Quellen habe ich gehört, dass – während die offiziellen christlichen Kirchen schwiegen - einzelne Christen in kleinen Gruppen am Straßenrand standen und Martin Luthers Lied sangen: „Ein feste Burg ist unser Gott“ und daraus dann immer wieder die 3. Strophe:
„Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt, wie sau'r er sich stellt,
tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht':
ein Wörtlein kann ihn fällen.“

So zum Beispiel bekommt dieses Bild des Apostels von den „Kindern des Lichtes“, die wachsam und auf ihre Weise besonnen sind, Gestalt und Kontur.
Ich wünsche mir sehr, dass es in mancherlei Hinsicht auch für uns hier in unserer Gemeinde heißen kann: „Und ihr seid es auch!“
Amen.

Die Regulierung der Diakonie in der Urgemeinde und